1921
Gründung der "Fürsorgestelle für Alkoholkranke Meilen/Uetikon/Männedorf/Stäfa" als Verein mit Sitz in Stäfa.
1924
«Fürsorgestelle für Alkoholkranke des Bezirks Meilen» mit Sitz in Meilen. Der Tätigkeitsbereich wird geographisch ausgeweitet, der Vereinssitz in den Bezirkshauptort verlegt.
Die Arbeit mit den überwiegend männlichen, schwer Abhängigen wird nebenamtlich geleistet, im Geist christlicher Diakonie und in Zusammenarbeit mit Gemeindehelfern und Trinkerrettungsvereinen. Die Betreuungsbedürftigen werden vom Fürsorger zu Hause aufgesucht.
1947
Beginn der Arbeitsgemeinschaft zwischen der Fürsorgestelle und dem Kantonalverband des Blauen Kreuzes. Dieser übernimmt die Administration, stellt die Mitarbeiter und leistet einen Kostenbeitrag. Erstmals wird ein bezahlter Blaukreuzagent für die Bezirksfürsorgestelle eingesetzt; anfangs zwei Tage in der Woche. Die finanziellen Beiträge der Gemeinden werden nach einer einheitlichen Berechnung festgesetzt, und es werden auch Beiträge aus dem Alkoholzehntel des Bundes bezogen.
Arbeitsmethoden und -ziele: Mit der Forderung nach Abstinenz und christlich geprägter Nächstenliebe wird versucht, "die Schutzbefohlenen charakterlich neu auszurichten" oder wenigstens "von einem Abgleiten in die letzte Verwahrlosung" zu bewahren.
1970
Anlässlich der Pensionierung des langjährigen Mitarbeiters wird der Arbeitsbereich diskutiert. Neben der Fürsorge soll sich der neue Mitarbeiter vermehrt der Vorsorge widmen (Referate, Veranstaltungen in Schulen und Konfirmandenklassen, in Jugendgruppen und Lagern).
In den folgenden Jahren werden die Aufgaben und die Ausbildung der Mitarbeiter immer wieder thematisiert. Die intensive Einzelbetreuung wird jetzt als aussichtsreich dargestellt. Die Verabreichung von «Antabus» wird kritisch reflektiert. Eine Behandlung mit diesem Vergällungsmittel erscheint im Rahmen einer Jahreskur als Alternative zu einem Aufenthalt in einem Trinkerasyl, wenn in der Zeit die Lebensprobleme und inneren Konflikte aufgearbeitet werden können. Dazu müssen allerdings die Mitarbeiter entsprechend ausgebildet werden. Die berufsbegleitenden Kurse der 1975 gegründeten «Interkantonalen Bildungsstätte für Soziale Arbeit an Alkoholgefährdeten» sollen ihnen das nötige Rüstzeug vermitteln.
1977
Ausweitung der Stelle auf zwei Mitarbeiter. Die Mitarbeiter teilen sich die Arbeit nach geographischen Regionen auf.
1979
Bezug des ersten Büros an der Tränkebachstrasse 28 in Stäfa.
1980
Umbenennung der Stelle in "Beratungs- und Sozialdienst für Alkoholgefährdete Bezirk Meilen". Die neue Bezeichnung reflektiert eine gewisse Veränderung des Angebots, das nicht mehr nur für Alkoholkranke offen steht, sowie eine Veränderung in der Einstellung der Betreuer (Beratung und Unterstützung von Menschen, denen noch eine gewisse Eigenverantwortung zugemutet wird.
1982
Bezug der Räumlichkeiten an der Dorfstrasse 87 in Meilen. Sie sind zentraler gelegen und grösser. Die Klienten können jetzt auch ins Büro kommen, und es gibt Platz für ein Sekretariat.
1991
Per Ende Jahr wird die Trennung vom Blauen Kreuz durchgeführt. Die Gemeinden, deren finanzielle Beiträge diejenigen des Blauen Kreuzes längst übertreffen, möchten eine weltanschaulich neutrale, nach zeitgemässen Gesichtspunkten geführte Beratungsstelle. Ihre Realisation stellt sich als recht schwierig heraus. Neue, qualifizierte Mitarbeiter müssen gesucht, ein neues Stellenkonzept und ein neues Behandlungskonzept erarbeitet werden.
1993
Umzug der Beratungsstelle an die Bahnhofstrasse 34 in Meilen. Hier ist Platz für die vier teilzeitlich angestellten Mitarbeiter/-innen, eingeschlossen das Sekretariat. Ein Raum kann auch als Gruppenraum benützt werden.
Das neue Konzept knüpft an die alte Erkenntnis an, dass in der Betreuung die "Seelenarbeit" das wichtigste ist. Als ihre Grundlage gilt nicht mehr das Evangelium, sondern die wissenschaftlich fundierte Psychologie.
1995
«Alkohol- und Suchtberatung Bezirk Meilen». Der neue Name soll Offenheit gegenüber allen Suchtformen andeuten, beim weiterhin bestehenden Schwerpunkt Alkoholgefährdung. Die Institution sieht sich ausserdem, obwohl finanziell abhängig, als Stelle in einem sozialen Netz, die dank ihrer Eigenständigkeit auch Menschen zur Verfügung steht, die Wert legen auf die Wahrung ihrer Anonymität und die nicht zum «Sozialfall» werden wollen.
Die bisherige Übersicht beruht auf der Aufarbeitung der Geschichte der Beratungsstelle duch Esther Tisa, Studentin am Historischen Seminar der Universität Zürich. Frau E. Tisa stellt die Geschichte der Institution vor den Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung mit den Schwerpunkten Trinksitten, Sucht und Suchtbekämpfung (insbesondere Alkoholismusbekämpfung).
Meilen, 20. Juni 1996 - Dr. phil. Verena Wipf Voss
1996
- Die bisherige Leitung durch das Team selbst wird aufgehoben und durch eine Stellenleitung abgelöst. Es arbeiten drei Fachpersonen (inkl. Stellenleitung) mit je einem 50 % Pensum auf der Beratungsstelle.
- Die Sozialvorständekonferenz des Bezirks Meilen organisiert ein zweitägiges Seminar zum Thema "Leistungserfassung und Leistungsauftrag". Die verschiedenen sozial tätigen Organisationen des Bezirks erhalten Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen.
- Verschiedene Arbeitsgruppen arbeiten einen Leistungsauftrag aus.
1998
- Mit den 11 geldgebenden Bezirksgemeinden wird eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen.
- Als PR-Aktivitäten sind zu vermerken: Eine Abendveranstaltung für Spitex Oetwil am See; Marktstand am Meilemer Markt; Infostand am Meilemer Herbstmarkt sowie die Beteiligung an der kostenlosen Alco-Line (Telefonberatung) anlässlich des 2. Schweiz. Solidaritätstages für Menschen mit Alkoholproblemen.
- Mit den Sozialdiensten des Bezirks sowie psychosozialen oder medizinischen Fachdiensten wird eine Intensivierung der Beziehungen angestrebt und die Zusammenarbeit gefördert.
- Im Auftrag der Fürsorgedirektion werden unter Führung von Prof. Dr. Ambros Uchtenhagen vom ISF (Institut für Suchtforschung) und in Zusammenarbeit mit den Fachstellen der FSKZ (Fachstellenkonferenz im Kanton Zürich für Alkohol- und andere Suchtprobleme) Leistungskriterien erarbeitet, welche für die Höhe der Ausrichtung des Beitrages aus dem Alkoholzehntel in Zukunft vorausgesetzt werden.
- Im Lauf des Jahres erfolgen 59 Neuanmeldungen. Der Gesamtbestand laufender Beratungen beläuft sich auf 71 Personen. Die Stelle ist nach wie vor mit drei Fachpersonen zu je 50 % Pensum besetzt.
1999
- Mit SAMBAD (Statistik der ambulanten Behandlung und Betreuung im Alkohol- und Drogenbereich) «Version Kanton Zürich» hat das Bundesamt für Statistik ein Computerprogramm entwickelt, das auch von der ASBM angewendet werden Kann/muss. Gleichzeitig kann das ISF daraus die für die Alkoholzehntelvergabe notwendigen Leistungserfassungsdaten beziehen.
2000
- Ab 1. Januar gilt für alle Mitarbeiter/innen die kantonale Besoldungsverordnung.
- Im April erfolgt der Umzug in grosszügigere helle Räume an die Bruechstrasse 16 in Meilen. Durch die grosszügige Spende einer Stiftung sowie diverses Mobiliar und Computer einer Grossbank kann die bisherige Brockenhausatmosphäre der Beratungsstelle durch einen moderneren Stil ersetzt werden.
- Die elektronische Post wird mit der E-mail-Adresse asbm@freesurf.ch (heute info@asbm.ch) eingeführt.
- Bei 69 Neuanmeldungen beläuft sich der Gesamtbestand der Beratungen Ende Jahr auf 85 Personen.
2001
- Im Auftrag der Sozialvorstände im Bezirk Meilen wird die bestehende Leistungsvereinbarung 02/05 in Zusammenarbeit mit der Firma FEDERAS vollständig überarbeitet.
- Auf Anregung der Sozialvorstände in den Bezirksgemeinden sowie im Interesse der Präsidenten von SAMOWAR, VIS (Verein für Integration und Suchtfragen) und der ASBM wird die Frage möglicher Synergien zwischen diesen Organisationen geprüft. Es werden regelmässige Zusammenkünfte in der sogenannten "Institutionenkonferenz" geplant.
- Am 14. Juni findet in den Räumen der ASBM eine interaktive Fortbildungsveranstaltung für Hausärzt/innen in Bezirk Meilen statt.
- Am 26. November kann der Stellenleiter und eine Therapeutin an einer internen Ärztefortbildung am Spital Männedorf den Dienst und die Arbeitsmethoden der ASBM vorstellen. Im Erstreben einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit Ärzten erhofft sich die ASBM positive Ergebnisse aus diesen Veranstaltungen.
- Es erfolgen 50 Neuanmeldungen im Laufe des Jahres und der Bestand beträgt Ende Jahr 68 Personen.
2002
- Als Reaktion auf eine kantonale Forderung initiiert die FSKZ ein Forschungsprojekt zur Sicherstellung der Beratungsqualität der ambulanten Fachstellen für Alkoholprobleme (AFA). In diesem Rahmen finden verschiedene Gespräche zwischen der Stellenleitung und dem Forschungsbeauftragten statt.
- Die überarbeitete Leistungsvereinbarung 02/05 mit den Bezirksgemeinden wird von diesen genehmigt und tritt rückwirkend auf den 1.1.2002 für die Dauer von vier Jahren in Kraft.
- Die endgültig veralteten Computer werden ersetzt. Das EDV-Netzwerk wird für einen rascheren Zugang zum Internet mit ADSL und zum Schutz der Daten mit einer Firewall bestückt. Die neue Email-Adresse lautet neu: info@asbm.ch
- Ein Mitarbeiter absolviert eine TAV-Gruppenleiterausbildung (Trainingsprogramm für alkoholauffällige Verkehrsteilnehmer), um damit alkoholauffällige Verkehrsteilnehmer/innen auf der Beratungsstelle noch gezielter (Deliktorientiert) begleiten zu können.
- Die Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet unter anderem am 6. Juni eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung über Alkohol- und Medikamentenprobleme für Hauspflegerinnen des Schweiz. Berufs- und Personalverbandes der Hauspflege, Sektion Zürich.
- Am 28. August leitet ein ASBM-Therapeut an der Schule Uetikon einen Workshop zum Thema Suchtprävention.
• November: Das diesjährige Sozialtätigen-Treffen ist dem Schwerpunktthema Alkohol gewidmet, welches anhand von Praxissituationen durch zwei Therapeuten der ASBM mittels Rollenspielen und unter Einbezug der Teilnehmer/innen vermittelt wird.
Mit 81 Neuanmeldungen und 77 Personen, die aktuell in Behandlung sind, zeigen die Kundenzahlen einen erneuten Anstieg.